Pedram Shahyar
Berlin, Kairo, Tehran
Montag, 7. Mai 2012
Freitag, 6. April 2012
Günter Grass und die Gefahrenzonen
Israelkritik in Deutschland? Nein, leicht ist es nicht, und
Günter Grass ist niemand, dem dies entgangen ist. Wir erinnern uns zu gut an
Möllemann und seine Israelkritik im Wahlkampf. Er bediente die Figur der
eigenen Schuld der Juden am Antisemitismus, um am rechten Rand zu sammeln und
die FDP auf 18 % zu hieven. Kritik an Israel ist immer einer der zentralen
Projektionsflächen des rechtsradikalen Randes der Bundesrepublik gewesen; derjenigen,
die den Juden den Holocaust nie verziehen haben, die sich ihren imperialen Biographien
geraubt fühlten. Erst die totalen Niederlage, und dann die historische
Aufarbeitung und die Erinnerungskultur des singulären Verbrechens des Holocaust
verhinderten jede Großmachtphantasie. Dieser Rand war es, der ihren
antisemitischen Ressentiments, ihre Verschwörungstheorien von mächtigen Juden,
die eine Weltordnung dominieren, in der die Deutschen zu kurz kommen, als
Tabubruch inszenierte.
Diese alte Sehnsucht nach Größe verließ den Rand und wurde in der Frankfurter Paulskirche rituell mit Standig Ovations gesegnet, als Martin Walser nach einem Schlussstrich rief, um „den Deutschen“ wieder ihren „normalen“ herausgehobenen Position ohne Scham ermöglichen sollte. Während die intellektuelle Elite, ausgenommen der großartiger Ignaz Bubis, hier Beifall klatschte, war man sich bei einer anderen Version der Geschichtsdeutung wiederum einig: der neue Staatsräson der geläuterten 68er an Macht legitimierte den deutschen Militarismus und Kriegspolitik aus einer scheinbar aufgeklärten Aufarbeitung der Geschichte. Die Schwur aus Buchenwald „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ wich einem Geschichtsbewusstsein, das in die Bombardierung Jugoslawiens mündete, um angeblich einen Völkermord zu verhindern. Gepanzert mit dem neuen Menschenrechtsimperialismus marschierte man wieder mit den westlich-imperialen Truppen für die Durchsetzung der Aufklärung gegen die fundamentalistischen Barbaren am Rande des Imperiums.
Das Gedicht vom Günter Grass hat mit dem oben genannten inszenierten Tabubruch nichts zu tun. Er ist höchsten im ästhetischem Sinne konservativ, weil es die Figur des Dichters als Mahner bedient, aber nicht in einer zynischen Abwendung von der Welt, sondern eines politischen Weckrufs. Die Welle der Ablehnung, die er in der Elite der Meinungsmacher dieses Landes erfährt, bestätigt die von ihn angesprochene, sicher auch biographisch bedingte Scheue, sich auszusprechen, aber auch die Notwendigkeit seiner Intervention, die ins Herz eines westlich-imperialen Diskurses getroffen hat. Wir haben es ja nicht mit einem konstruierten Sinnzusammenhang, sondern einer realen unmittelbaren Kriegsgefahr zutun, an dem sich die Bundesregierung mittels Waffenlieferungen beteiligt.
Diese alte Sehnsucht nach Größe verließ den Rand und wurde in der Frankfurter Paulskirche rituell mit Standig Ovations gesegnet, als Martin Walser nach einem Schlussstrich rief, um „den Deutschen“ wieder ihren „normalen“ herausgehobenen Position ohne Scham ermöglichen sollte. Während die intellektuelle Elite, ausgenommen der großartiger Ignaz Bubis, hier Beifall klatschte, war man sich bei einer anderen Version der Geschichtsdeutung wiederum einig: der neue Staatsräson der geläuterten 68er an Macht legitimierte den deutschen Militarismus und Kriegspolitik aus einer scheinbar aufgeklärten Aufarbeitung der Geschichte. Die Schwur aus Buchenwald „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg“ wich einem Geschichtsbewusstsein, das in die Bombardierung Jugoslawiens mündete, um angeblich einen Völkermord zu verhindern. Gepanzert mit dem neuen Menschenrechtsimperialismus marschierte man wieder mit den westlich-imperialen Truppen für die Durchsetzung der Aufklärung gegen die fundamentalistischen Barbaren am Rande des Imperiums.
Das Gedicht vom Günter Grass hat mit dem oben genannten inszenierten Tabubruch nichts zu tun. Er ist höchsten im ästhetischem Sinne konservativ, weil es die Figur des Dichters als Mahner bedient, aber nicht in einer zynischen Abwendung von der Welt, sondern eines politischen Weckrufs. Die Welle der Ablehnung, die er in der Elite der Meinungsmacher dieses Landes erfährt, bestätigt die von ihn angesprochene, sicher auch biographisch bedingte Scheue, sich auszusprechen, aber auch die Notwendigkeit seiner Intervention, die ins Herz eines westlich-imperialen Diskurses getroffen hat. Wir haben es ja nicht mit einem konstruierten Sinnzusammenhang, sondern einer realen unmittelbaren Kriegsgefahr zutun, an dem sich die Bundesregierung mittels Waffenlieferungen beteiligt.
Samstag, 10. März 2012
The second Wave of Egytian Revolution
January 25th marked the first anniversary of the Egyptian revolution.
A year after the first mass protests filled the streets of Cairo, we
saw the second wave of the revolt.
Again, Tahrir Square and many other places across the country were overcrowded by the masses, with more protesters than even optimists had expected. These people were not celebrating the revolution but protesting the ruling Supreme Command of the Armed Forces (SCAF). Since autumn, the world had witnessed a wave of social unrest, large demonstrations and riots. After January 25th, dozens of football fans died during a massacre at Port Said. Further protests marked the anniversary of the resignation of President Mubarak on February 11th.
Again, Tahrir Square and many other places across the country were overcrowded by the masses, with more protesters than even optimists had expected. These people were not celebrating the revolution but protesting the ruling Supreme Command of the Armed Forces (SCAF). Since autumn, the world had witnessed a wave of social unrest, large demonstrations and riots. After January 25th, dozens of football fans died during a massacre at Port Said. Further protests marked the anniversary of the resignation of President Mubarak on February 11th.
Samstag, 3. März 2012
Occupy GUC: Heftige Proteste an der "Deutsche Universität Kairo"
In den letzten Tagen kam es zu heftigen Proteste der
Studierenden der „Deutsche Universität Kairo“ (German University of Cairo GUC).
Die GUC ist die Partneruniversität der Universitäten in Ulm und Stuttgart,
steht unter der Schirmherrschaft des Außenministeriums und vielen anderen
deutschen Trägern, und wurde auch mit öffentlichen Geldern aus Deutschland mitfinanziert.
Unter den Studierenden und dem Mittelbau war die Unzufriedenheit in den letzten
Monaten immer stärker zu spüren. Denn diese Privatuniversität ist bekannt für
schlechte Arbeitsbedingungen und eine stark repressive Politik der
Universitätsleitung. Mittwoch, 25. Januar 2012
Ein Jahr danach: Wo steht die Revolution in Ägypten?
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| copyright "Fotos for social change", von Jakob Huber |
Am heutigen 25. Januar wird in Ägypten der Jahrestag des
erfolgreichen Aufstandes gegen die Diktatur Mubaraks gefeiert. Der
Tahrir-Platz, die Ikone des arabischen Frühlings, wird wieder überfüllt mit
einer gigantischen Menge, und die Weltöffentlichkeit schaut wieder begeistert,
aber auch besorgt zu.
Die Nachrichten der letzten Monate sorgten für eine
Ernüchterung. Die Armee, die damals nach dem Sturz von Mubarak unter der
begeisterten Zustimmung der Bevölkerung die politische Macht an sich gerissen
hatte, ging zunehmend brutal und mit den Methoden des alten Regimes gegen die
Demonstranten und sozialen Bewegungen vor. Festnahmen von Bloggern, Folter an
Aktivisten, duzende Tote bei einer koptischen Demonstration: hat die Revolution
versagt? Wurde sie gar von der Armee gestohlen?
Montag, 23. Januar 2012
Ägypten: Große Unruhe vor dem Jahrestag der Revolution
Am kommenden Mittwoch wird in Ägypten der Jahrestag der
Revolution am 25. Januar mit großer Spannung erwartet. Der regierende höchste
Rat der Armee (SCAF) plant eine pompöse Militärparade. Die Aktivisten der
sozialen Bewegungen und die revolutionären Kräfte ihrerseits bereiten seit
Tagen größere Proteste gegen die Militärregierung für diesen Tag vor. Bereits
am letzten Freitag demonstrierten Zehntausend Menschen gegen die SCAF auf dem
Tahrir. Dazu gab es im Downtown von Kairo eine Frauendemonstration gegen die
Armee, die auch den Tahrirplatz durchkreuzte. Diese kraftvolle Marsch mit mehreren Tausend
Teilnehmerinnen war nach dem 8. März und 20. Dezember 2011 die dritte Frauendemonstration
seit der Revolution. Für den 25. Januar hat ein Bündnis von 58 Parteien und
Bewegungen für Großdemonstrationen im ganzen Land aufgerufen.
Dienstag, 20. Dezember 2011
Tahrir und die Rückkehr des Heroischen in die Politik
Doch das alles ist weder neu noch unerwartet. Bei den Kämpfen um Tahrir und Mohammad-Mahmood-Straße Mitte November starben in 5 Tagen 40 Menschen und über 2000 wurden verletzt. Jede Räumung von Tahrir seit März war brutal, immer gab es viele Verletzte und Gefangenen wurden gefoltert. Was ist jetzt also eigentlich das Neue?
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